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Spaziergang

Einige Leser werden sich jetzt fragen; was will sie uns denn dazu erzählen.
Das macht doch jeder der einen Hund hat. Stimmt, aber es gibt viel mehr dazu zu schreiben als:
Hund rufen, Halsband anlegen, Leine schnappen und los geht’s!
Der Spaziergang ist die absolute
Minimum-Bewegungsform für Nordhunde. Manchmal jedoch lassen es die Temperaturen oder andere Umstände nicht zu, daß man den Tag aktiver gestaltet.

Ein guter Spaziergang fängt schon mit dem mitzuführenden Material, wie Leine und Halsband an. Gerade bei unseren Powerpaketen ist nicht alles geeignet. Wenn ein Hund stark zieht oder auf Kommandos nicht hört, ist das nicht durch einen Würger und/oder kurzer Führleine zu regulieren. Da ist ein kleines Trainingsprogramm für den Hundeführer wie er mit seinem Hund umgeht, schon effektiver.

Also... gut eignet sich ein breiteres Halsband aus festem Material, mit einem winzig kleinen Zugstopp.

Leinen gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Ich benutze eine 2,50 lange Leine mit einem integriertem Ruckdämpfer. Das Material ist waschmaschinenfest und sehr strapazierfähig.
Zudem verwende ich bei unseren Spaziergängen Flexileinen, 8 m lang für einen Hund bis 50 kg Körpergewicht. Beide Hunde laufen bei allen Aktivitäten mit Brustgeschirr.

Soll die beiden ohne zu ziehen an der Leine gehen, dann wird die Leine am Halsband festgemacht. Sie wissen dann ist lockeres Laufen angesagt und lassen sich auch mit dem Kommando “Fuß” ruhig führen. Wenn gearbeitet werden soll, dann wird die Leine am Brustgeschirr festgemacht. Die Hunde kennen den Unterschied.

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Ich selbst gehe immer mit Bauchgurt. An diesem sind zwei Karabiner befestigt, in denen ich die beiden Flexileinen einhängen kann. Dadurch habe ich auch bei zwei Hunden die Hände frei und trotzdem alles unter Kontrolle.

Doch der Bauchgurt dient außerdem als Befestigung für diverse Utensilien, die ich ständig dabei haben möchte, egal wie kurz unser Ausflug ist.

1. Eine kleine Notfallapotheke. (Verbandmull, Deinfektionsmittel, Bootie, Leukoplast)
2. Zwei kleine Taschen für Leckerlies (Mensch und Hund)
3. Eine schließbare Tasche für Schlüssel und Geld.
4. Handytasche
5. Befestigung für den Clicker
6. Befestigung für eine Kurzleine (1m)
7. Befestigung für die Taschenlampe

Ich habe die Erfahrung gemacht, das all diese Dinge auch auf noch so kurzen Wegen wichtig sein können.
  
Der Gang mit dem Hund sollte nicht nur dazu dienen, daß er seine Geschäfte verrichten kann. Das macht weder dem Hund noch seinem Besitzer wirklich Spaß.

Nichts ist langweiliger als morgens und abends immer den gleichen Weg abzulaufen und das dann wochenlang. Da trottet selbst der aufmerksamste Hund irgendwann nur noch neben einem her, um dann später die Wohnzimmereinrichtung auseinander zu nehmen.

Natürlich ist man früher oder später in der nahen Umgebung alle Wege abgegangen, also kombiniere ich sie abwechselnd. Wenn uns an wirklich heißen Tagen nichts anderes übrig bleibt als zu laufen, versuche ich keine Weg mehr als einmal in der Woche zu nutzen. Wir laufen allerdings fast immer quer über die Felder und nehmen kleine Pfade im Wald. Es ist gut machbar, bei jeder Tour Varianten einzubauen. Meine Hunde danken es mir mit viel Lauffreude und Aufmerksamkeit.

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Ein Faktor, der unsere Spaziergänge immer wieder spannend macht ist, daß wir nicht jedesmal zur gleichen Zeit losgehen. Wir drei haben tolle Nachtwanderungen erlebt oder sind kurz vor der Morgendämmerung los und haben uns das Aufwachen der Welt angeschaut. Die Hunde reagieren sofort auf die andere Umgebung und zeigen deutliche Verhaltensänderungen. Tejar ist nachts immer wesentlich aufmerksamer und entfernt sich nicht so weit von mir wie tagsüber. Zu diesen Stunden ist allerdings uneingeschränkte Leinenpflicht absolut erforderlich. Ich glaube kaum, das ein Nordhund dieser Versuchung widerstehen könnte.

Aber nur “gehen” alleine reicht uns nicht wirklich. Für mich bedeutet “draußensein” mit meinen Hunden, das ich mich auch mit ihnen beschäftige. Außer morgens im Halbschlaf (falls sie jedoch den Hasen, der in 5 m Entfernung übers Feld rast, eher sehen sollten als ich, werde ich mehr als unsanft geweckt) trotte ich nicht einfach neben ihnen her.

Unterordnungsübungen müßen sein. Zu mir, Sitz, Platz, Fuß, Links, Rechts, Stop und Warte wird geübt. Auch geclickert wird regelmäßig. Suchspiele sind ebenfalls extrem beliebt. Entweder mit Futter das man in kleinen Stücken auf einer Wiese verteilt oder wenn einer zweite Person dabei ist, wird “Verstecken” gespielt.

Da Tejar und Tanana beide einen gut ausgeprägten Jagdtrieb haben, ist bei Laufen ohne Leine leider nicht machbar. D.h. wir üben immer wieder mit der Schleppleine. Das geht jedoch nur mit einem Hund. Einer von beiden muß dann eine kleine Pause einlegen und darf uns zuschauen.

Ein guter Spaziergang wird nicht über die geleisteten Kilometer bewertet, sondern wieviel Spaß man zusammen gehabt hat. Ich sehe oft Mensch und Hund nebeneinander herlaufen ohne das sich für einander interessieren. Natürlich lasse ich mir auch schon mal die Sonne auf den Bauch scheinen und meine Mäusejäger sondieren unseren Hochwasserdamm (das ist so etwas ähnliches wie eine Hochhaussiedlung der Mäuse). Doch ich kriege alles mit und das wissen beide...

Lieber Ersthundebesitzer oder Nordhunde-Interessierte. Die Anschaffung einer Leine und eines Halsbandes sowie der feste Vorsatz immer regelmäßig mit dem Hund rauszugehen, reicht nicht. Diese Hunde brauchen nicht nur abgespulte Kilometer oder den Gang für “Geschäft” sondern sie wollen auch gefordert werden. Körperlich und auch geistig. Ob Sie sich all die Dinge anschaffen, die ich Ihnen hier so aufzähle bleibt Ihre Wahl. Wenn Sie sich mit Ihrem Hund intensiv auseinandersetzen, werden Sie sich nicht nur einen zweiten Kleiderschrank anschaffen müßen, für Ihre “Outdoorklamotten” wie Regensachen, Thermohose, Regenschuhe, Trekkingschuhe und Winterjacke, sondern auch Ihre Vorstellung von einem “Spaziergang” wird sich mit Sicherheit ändern

 

 

 


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