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Eine Geschichte
Die Legende der 12 Akitas am Südpol ... gibt es leider nicht ...
... aber es gibt eine andere Geschichte und ich glaube, damit wird die Erzählung der “12 Akitas” sehr oft verwechselt. Eisspalten, tobende Schneestürme, Temperaturen bis Minus 70 Grad Celsius - die Antarktis ist einer der menschenfeindlichsten Orte der Erde. Trotzdem fasziniert die riesige Eiswüste seit ihrer Entdeckung im Jahr 1820 die Menschen. Heute sind in der Polarforschung längst Schneemobile, Flugzeuge und relativ behagliche Wohn- und Arbeitsstationen an die Stelle von Hundeschlitten und Zelten getreten. Für viele Klimaforscher, Biologen, Chemiker und Geologen ist die Antarktis heute eines der wichtigsten und spannendsten Freilandlabors der Welt.
Erst 1958 gelang die erste Durchquerung der Antarktis. Die “Commonwealth-Trans-Antarctic-Expedition” unter der Leitung von Vivian Fuchs und dem Mount Everest Bezwinger Sir Edmund Hillary durchquerte die Antarktis vom Wedell-Meer über den Pol zum Ross-Eisschelf.
Um die Erforschung der Antarktis weiter voranzutreiben, wurde 1957 das Internationale Geophysikalische Jahr ausgerufen (IGY). In einer 18-monatigen Periode stand bis Ende die Antarktis im Mittelpunkt der internationalen wissenschaftlichen Aktivitäten. 40 wissenschaftliche Stationen entstanden, 67 Länder beteiligten sich an Forschungsprojekten auf dem eisigen Kontinent.

Eins dieser Länder war Japan. Im Januar 1957 wurde die Forschungsstation Syowa auf dem East Ongul Island in der Lützow-Holm Bay errichtet. Im gleichen Jahr überwinterte die erste Gruppe von Wissenschaftlern dort. Die japanischen Forscher, sämtliche Geräte, Meßinstrumente und Lebensmittel wurden von dem Eisbrecher Soya bis an Küste von Lützow-Holm gebracht. Mit an Bord waren auch 15 Schlittenhunde, die sollten den Transport der Materialien zur Station übernehmen und wurden für die Exkursionen ins Umland gebraucht.
Diese Hunde waren keine Akitas, aber auch keine Huskies oder Grönlandhunde, sondern japanische Schlittenhunde – Karafuto Ken. Große, kräftige, langhaarige Hunde von der Insel Sakhalin, die im Norden von Japan liegt. Es waren robuste, arbeitsfreudige Tiere mit einem freundlichen Wesen und einer guten Bindung zum Menschen.

Den ersten Winter überstanden alle Forscher gut und auch die Hunde hatten kein Problem mit der eisigen Kälte. Sie waren ein Bestandteil der Crew und vor allem zwei Wissenschaftler, Ushioda und Ochi entwickelten eine enge Bindungen zu ihnen. Der Sommer neigte sich dem Ende zu und der Eisbrecher Soya machte sich auf den Weg um die Forscher abzuholen und ein weiteres Team für eine Überwinterung abzusetzen.
Doch es gab schon bei der Anfahrt gab es größere Probleme, Soya kam schlecht bis gar nicht voran, denn das Packeis war in zu dieser Zeit unerwartet dick. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, denn auf dem Schiff wurden Kraftstoff- und Lebensmittelvorräte knapp.
Schließlich entschied man sich, die Männer mit dem auf dem Schiff befindlichen Helikopter zu bergen. Die Hunde sollten bei der Station bleiben, denn sie zweite Gruppe hatte keine eigenen dabei. Der Abschied von den Tieren fiel den Hundebetreuern schwer. Damit die Hunde nicht von der Station weglaufen und ihre Menschen suchen, kettete man sie an Pfosten, die man in das Eis eingelassen hatte. Nur zwei Junghunde Taro und Jiro blieben wurden nicht angebunden, da sie sich alleine nicht vom Rudel entfernten.
Nachdem der letzte Hubschrauber zum Schiff zurückgeflogen war, brach ein gewaltiger Sturm los. Einige Tage vergingen und es bestand keine Möglichkeit die neue Crew an Land zu bringen. Die Situation wurde zunehmend gefährlicher, denn auf der Route zurück bildete sich immer mehr Packeis und es bestand die Gefahr das die Soya eingeschlossen werden würde.
So beschloß man, die Rückreise anzutreten, ohne ein neues Team zur Station zu schicken. Man bat eindringlichst die Hunde da raus zu holen, doch dies schien nicht machbar zu sein. Auch die Bitte das einer der Betreuer noch mal ausgeflogen wird, um sie töten zu können, wurde nicht zugestimmt. Die Verantwortlichen der Forschungsabteilung in Japan sahen es als zu gefährlich an und setzten durch, das die Hunde sich selbst überlassen werden. Die Forschungscrew litt auf dem Heimweg sehr, bei dem Gedanken das ihre Hunde jetzt langsam und leidvoll verhungern mussten, denn für alle waren sie mehr als nur ein Transportmittel, sondern ein liebgewonnener Bestandteil der Mannschaft.
Zurück in der Heimat berichteten die Medien von den zurückgelassen Hunden und in ganz Japan verurteilte man die “inhumane” Behandlung der Hunde.

Genau ein Jahr später machte sich die Soya wieder auf den Weg in die Lützow-Holm Bay. Mit an Bord war Ochi, der einfach wissen wollte was mit seinen Hunden passiert ist. Als das Schiff sich der Station näherte, sah er zwei Punkte nahe der Station laufen, springen und vor Freude hüpfen. Er traute seinen Augen nicht, es waren die beiden Jüngsten Taro und Jiro, die ihn sofort erkannt und überschwenglich begrüßen.
Sie hatten das ganze Jahr und vor allem den Winter überlebt, alleine, auf sich gestellt, denn alle anderen waren an ihren Ketten verhungert bzw. konnten nicht mehr gefunden werden. Sie waren nicht weitergezogen, sondern immer in der Nähe der Station geblieben und begrüßten die Menschen so vertraut, als wären diese nur einige Tage weg gewesen. Die beiden wurden nach Japan zurückgebracht und viele Menschen freuten sich, das sie überlebt hatten. Sie nahmen noch an weiteren Expeditionen teil und erreichten ein hohes Alter. Ihre Heimatstadt hat ihnen ein Denkmal gesetzt, es steht direkt am Hafen mit Blick aufs Meer. Es gibt auch einen Film über die Geschichte (Antarctica), gedreht von Kurahara 1984, der über Japan‘s Grenzen hinaus bekannt wurde.
Er beschreibt dort neben der glücklichen Rettung der beiden Hunde, die Versuche der Hunde sich zu befreien und erzählt wie es einige gelang und sie dann bei der Jagd und den Stürmen umkamen, wie der Rest an den Ketten so lang im Kreise lief, bis der übermächtige Hunger und die Kälte sie aufgeben ließ und sie sich zum sterben in den Schnee kauerten.
Oft wird eine ähnliche Geschichte erzählt und man schreibt die Hunde seien Akitas gewesen. Das stimmt nicht wirklich, aber .... sie hat dennoch ein bißchen was mit Akitas zu tun. Als der Akita in Japan wieder zu seinem Ursprüngen zurückgezüchtet worden ist, hat man auch Karafuto Ken mit eingekreuzt und hat er seine Spuren hinterlassen. In dem deutschsprachigen Buch über Akitas von der bekannten Akita-Kennerin Kammerscheid-Lammers heißt es, sein freundliches Wesen dem Menschen gegenüber und seine Selbständigkeit sind unter anderem ein Erbe des Karafuto Ken.

Bei meiner Recherche zu dieser Geschichte habe ich Stunden damit zugebracht, im Internet etwas mehr über die Rasse und ihre Geschichte zu erfahren, doch es gibt nur spärliche Informationen. So wie es aussieht gibt es diese Hunderasse nicht mehr. Durch mein Interesse an dieser Begebenheit, lernte ich per EMail Herrn Toru Kikuchi kennen. Er war einer der wissenschaftlichen Leiter der Expedition und unter anderem auch Ausbilder der Hunde. Er lebt jetzt in Vancouver, hat mir all seine Aufzeichnungen in Kopie zukommen lassen und was mich besonders freut, die Genehmigung erteilt, einige seiner damals gemachten Bilder zu veröffentlichen. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön.
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